Marokko I

In Tanger MED schlendern wir über eine Einkaufsstraße, die eher an einen Souk (einen Markt) erinnert. Es gibts ein leckeres Baguette mit einer Art Rührei auf die Hand und einen Espresso im Café.

Jetzt soll es am Atlantik weiter in den Süden gehen. In Asilah übernachten wir auf einem Camingplatz, der voll gepflastert ist und auch als Jugendherberge dient. Wir sind froh über den festen Untergrund, denn es regnet immer noch.
In Asilah besorgen wir uns am nächsten Tag Karten für unsere Handys und dann geht es auch schon weiter. Ich möchte bis Casablanca kommen – die Städte interessieren mich zur Zeit weniger, erstmal geht es darum dem Regen zu entkommen und mehr Sonne zu finden.

Auf dem Weg kommen wir durch Souk El Arba du Rharb, den Ort kenne ich bereits – er heißt auf deutsch ‚Markt am Mittwoch‘, das konnte ich mir gut merken! Hier haben wir unser erstes ‚Streetfood‘ gegessen. Auf dem Weg kauft Dirk direkt von der Ladefläche eines Dockers herunter, ein Kilo Orangen.

Hinter Casablanca habe ich einen Platz auf einem Biohof ausgemacht, der sehr gute Bewertungen erhalten hat und wer weiß, wenn das Wetter mitspielt, könnten wir dort vielleicht ein paar Tage bleiben. Als wir in die Nähe des Platzes kommen dämmert es bereits und die Straßen werden immer schlechter. Dann sollen wir auf eine Art Feldweg abbiegen – aber es sind nur noch ein oder zwei Kilometer – also los… dann wird es dunkel und der Feldweg wird schlechter, wir fahren durch Pfützen, die immer größer werden und irgendwann bekomme ich Bedenken dass wir stecken bleiben könnten. Wir können den Weg zu diesem Stellplatz auch nicht mehr erkennen. Zum Glück finde ich einen etwas trockenen Platz neben einem scheinbar verlassenen aber gut in Stand gehaltenem Gebäude. Ich beschließe hier anzuhalten und zu übernachten. Dirk macht uns eine Gemüsebrühe und wir machen es uns gemütlich. Plötzlich, um 21:30 Uhr, klopft es ans Fahrzeug. Wir öffnen die Tür und davor steht ein junger Mann, der uns erklärt, die Polizei hätte ihn angerufen und wir stünden vor einer Schule. Er fragt uns ob wir den Stellplatz, den Biohof gesucht hätten, er sei der Eigentümer. Dann läuft er mit einer Taschenlampe voraus und zeigt den Weg übers Feld, denn den Feldweg mag ich nicht fahren. 
Nach etwa 70 m erreichen wir das Tor zu seinem Hof und verbringen dort eine wunderbare Nacht. Wir werden noch befragt ob wir etwas brauchen: Brot, Strom, Wasser? Aber wir brauchen nichts. Als wir am nächsten Morgen aufbrechen wollen, haben wir Gelegenheit kurz mit dem Eigentümer zu sprechen. So viel Regen hat er in seinem Leben noch nicht erlebt. Die Natur zeigt uns wie abhängig wir von ihr sind. Wir werden die Natur nicht bezwingen…. so wahre Worte! Geld will er von uns nicht haben. Dann versuchen wir dieses matschige Gebiet zu verlassen und auf eine asphaltierte Straße zu kommen.

Als wir die endlich erreichen, wollen wir so schnell wie möglich weiter in den Süden nach Agadir. Hunger haben wir zwischendrin natürlich auch und so halten wir in Sidi Mohammed Ben Rahal und essen wieder etwas vom Grill. Das schlechte Wetter haben wir zum Glück hinter uns gelassen! Auf einer Autobahnraststätte gibt es dann später einen Espresso und ich bin überrascht. Das ist absolut kein Vergleich zu deutschen Raststätten. Hier gibt es richtig guten, günstigen Espresso und auch die Gerichte, die wir nicht probieren, sehen sehr gut aus!
In Takat kostet die Übernachtung 105 MAD aber wir sollen pro Person 3 MAD Tourismusabgabe zahlen. Sehr, sehr merkwürdig! Und dann können wir auch nur in bar bezahlen und nicht mit Kreditkarte, außerdem bekommen wir keine Rechnung… 
Der Preis ist in Ordnung aber der Platz ist nicht sehr schön, das Wetter auch nicht – also weiter…
Unser nächster Halt ist Tiznit und hier trinken wir Marokkanischen Tee, der sehr hübsch ‚angerichtet‘ ist, sogar kleine Topflappen für die heiße Teekanne sind dabei.

Der nächste Campingplatz wird Aglou-Plage. Hier bleiben wir zwei Nächte und ruhen uns von der Fahrt aus. Sonst passiert hier wenig – wir duschen unter super heißen Duschen und ich schreibe an unserem Reisebericht – das erste Mal im neuen Jahr. Es ist schon viel zu viel Zeit vergangen; seit dem 18.12. habe ich nichts geschrieben und nun wühlen wir in den Erinnerungen! 
Heute sind wir nach Guelmim gefahren, denn morgen findet hier der Kamelmarkt statt. Eigentlich wollte ich über die N1 hierher fahren um nicht wieder so kleine, enge Straßen fahren zu müssen aber dann haben wir uns doch für den Weg an der Atlantikküste entschieden und das war eine gute Wahl! Die Straße ist zum großen Teil richtig gut zu befahren und es war eine wunderschöne Strecke am Meer entlang.
Als ich mich im Internet über den Kamelmarkt informiere, bin ich ernüchtert. Die negative Seite dieses Tiermarktes (wie anderer Tiermärkte auch) war mir vorher nicht so bewusst. Nun stehen wir auf dem Parkplatz gegenüber und gehen schon mal über den Obst- und Gemüseteil des Marktes – hier ist schon fast alles aufgebaut. Auf der Straße am Rande der Stadt kaufen wir ein Baguette und Msemen mit Honig und sehen bereits zwei Docker mit Schafen auf der Pritsche. Am späten Abend kommt ein Lastwagen und lädt einige Rinder ab. Ich bin gespannt was uns morgen hier erwartet!
Irgendwie kann ich es nicht so recht erwarten. Die Geschäfte beginnen bei Sonnenaufgang und der ist um 07:30 Uhr. Ich schaue aber seit 6:00 Uhr aus dem Fenster an meinem Bett um zu erspähen, was passiert. Ich sehe zwei kleine Schafherden, die in Richtung Tiermarkt getrieben werden. Um 07:30 Uhr stehe ich auf und ziehe mich warm an, denn die Sonne wärmt uns erst mittags, jetzt haben wir zwischen 8 und 10 Grad und der Markt liegt größtenteils noch im Dunkeln oder im Schatten.

Den Teil mit Gemüse kennen wir ja schon, deshalb schauen wir jetzt nach dem Teil wo die Tiere gehandelt werden. Den meisten Schafen, Ziegen und Rindern sind die Beine zusammengebunden. Die können sich eigentlich nicht bewegen und das sieht nicht schön aus! In einer Buchte stehen zwei Kamele mit einem Jungtier. Ein paar Schafe stehen in abgegrenzten Buchten und sind nicht weiter angebunden – die haben es gut! Die übrigen Kamele stehen in einer Ecke und werden bewacht, sie sind auch nicht angebunden.


Wir gehen weiter in die ‚Gemüseabteilung‘, in den Non Food Bereich und sehen auch dort vorbei, wo Fleisch verkauft wird. Ich kenne die Bilder zwar von früheren Reisen aber ich möchte mir das nicht gerne ansehen, wie das Fleisch von Ziegen, Lämmern und Rindern ‚ausgestellt‘ wird. Dann kommen wir noch an einer Ecke vorbei wo Geflügel lebend verkauft wird. Auch hier wird mit den Tieren nicht zimperlich umgegangen. Also schnell weiter, zurück zum Gemüse und dort kaufen wir etwas ein.

Für wirklich sehr wenig Geld haben wir Zucchini, Paprika, Kartoffeln, Mandarinen und Orangen gekauft und finden schließlich noch einen Stand mit Datteln und kaufen dort ein Kilo saftige, dunkle Datteln. Obwohl sie nicht deklariert sind, würde ich sagen, es sind Madjul-Datteln, zu einem sehr günstigen Preis. Auf dem Markt muss man Obst und Gemüse nicht verhandeln. Das macht den Einstieg in Marokko leicht – wenn wir später vielleicht eine Tagjine oder anderes kaufen wollen, dann werden wir handeln (müssen).


Nun müssen wir uns erstmal entscheiden wo wir die kommenden Nächte verbringen wollen. Wir entscheiden uns nach Sidi Ifni und dort auf den Campingplatz zu fahren. Direkt am Meer bei 19 Grad lässt es sich prinzipiell gut aushalten. Der Platz ist allerdings nicht sehr schön, wenn man, wie wir, nicht in der ersten Reihe am Meer stehen kann. Die Autos stehen recht eng beieinander, so dass der Aufenthalt am Auto keinen großen Spaß macht. Also gehen wir zum Meer und trainieren unsere Fußmuskulatur indem wir über unterschiedlich große Kiesel und Steine im Wasser ‚laufen‘. Später gehen wir noch im Ort spazieren, schauen den Surfern zu, trinken einen Espresso und Dirk kocht uns ein leckeres Abendessen. Wir beschließen diesen Tag mit dem Schreiben des Reiseberichts.

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