Marokko II

Am nächsten Tag sichern wir uns einen Platz in der vorderen Reihe, direkt am Meer. Das tolle ist, wenn wir im Auto sitzen, haben wir einen super Blick aufs Meer und können auch die Surfer gut sehen, die hier gerade am „Berber CUP“ teilnehmen. Es sind Teilnehmer aus einigen Ländern dabei, wie wir nach und nach mitbekommen, während wir im Café Espresso trinken und den Wettkämpfen folgen.

Wir bleiben einige Tage hier und ruhen uns etwas aus, erkunden aber natürlich auch den Ort und gehen auf den Souk. 

Nach vier Tagen und einigen Überlegungen wo wir hinfahren wollen, entscheiden wir uns, Richtung Norden zu fahren. Das Wetter ist eigentlich nur hier an der Küste im Süden so wie ich es gerne habe: 18°C und sonnig.

Meine ehemalige Kollegin Hafida ist aber in Fés und besucht gerade ihre Familie. Das ist eine einmalige Gelegenheit, Hafida in ihrer Heimat mit ihrer Familie zu erleben und die will ich nutzen. Auch wenn es in Fés gerade nicht wärmer ist als in Bremen.
Zunächst wollen wir in Sidi Ifni noch unsere Wäsche waschen. Das hatte am Tag zuvor nicht geklappt, weil es keinen Strom gab. Also waren wir mit unserer Wäsche ein paar Kilometer bergauf und bergab unterwegs und mussten nun, vor der Weiterreise einen neuen Versuch starten. Während die Wäsche glücklicherweise ihre Runden drehte, suchten wir uns etwas zu essen und schlenderten die Straßen entlang. Dabei fiel mir ein Lädchen einer ‚Coopérative de femme‘ auf, die Arganöl verkauft. Der Kauf erwies sich als wenig trivial: Bezahlen können wir nur mit Bargeld und wir haben nicht genügend bei uns, unsere Karten (um Geld abzuheben) sind aber im Auto, in der Nähe der Wäscherei. Das Abheben mit dem Handy funktioniert an der Bank auch nicht. Also müssen wir ein wenig hin und her, zum Auto, zur Bank of Africa und wieder zur Cooperative, dann kaufen wir Arganöl und Amlous, eine Paste aus Mandeln, Honig und Arganöl. Es ist von der Konsistenz her etwa wie Erdnussbutter und schmeckt etwas nach Marzipan.

Nachdem wir die Wäsche abgeholt haben, kann es nun also weitergehen, zunächst nach Agadir. In Agadir möchte ich zu einem Bioladen und auch dort gibt es eine Cooperative, die ich herausgesucht hatte und die ich nun auch aufsuchen möchte. Da wir relativ spät ankommen, stellen wir uns auf einen Parkplatz, der von anderen Campern als sicher bezeichnet wird. Gut schlafen sieht aber anders aus! Der Platz wird zwar ‚bewacht‘ aber die Hunde sind nachts ziemlich laut. Am nächsten Morgen suchen wir Bioladen und Cooperative auf und kaufen auch etwas ein, dann möchte ich aber weiter. Großstädte mag ich einfach nicht.

Der nächste Halt ist Taroudannt. Auch hier gibt es eine Cooperative. Die Arganbäume gibt es nur in dieser südwestlichen Gegend von Marokko! Wir stellen das Auto auf einem bewachten Parkplatz ab – das hätten wir uns auch sparen können aber wir wollten hier vielleicht übernachten. Dann geht es in die Stadtmauern von Taroudannt und wir sind etwas überwältigt. Die Straße sehr eng, trotzdem alles auf der Straße; Händler, Autos, Fußgänger, Fahrradfahrer, Kutschen … dass hier nicht ständig jemand verletzt wird ist schon erstaunlich! Und dann der Souk! Wir verlaufen uns in den vielen Gassen unter den Blechdächern, ein Signal für die Standortbestimmung gibt es nicht, wir wissen lediglich, dass wir uns innerhalb der Stadtmauer befinden. Dann laufen wir einen Weg immer geradeaus und kommen tatsächlich wieder an die Sonne! Da wir aber auf der anderen Seite herauskommen, geht es wieder durch den Souk. Hier kaufe ich schon mal Kreuzkümmel (Cumin) und Pfeffer ein.

Wieder auf der Straße, suchen wir nach einem Mittagessen. Und bitte ohne Fleisch… da bieten sich Marokkanische Suppen an. Einen Ort mit Suppenangebot finden wir – und der ist sehr marokkanisch und sehr, sehr lecker. Zur Suppe gibt es Datteln.

Auf dem Weg zum Auto gibt es dann noch etwas Fettgebackenes in Zucker gewendet – ich kenne das von meinen ersten Marokkoreisen und ich liebe es. Damals wurden vier Ringe auf einen Palmenhalm gezogen und dieser wurde verknotet. Wie es heißt? Das werde ich Hafida hoffentlich fragen können.

Wir finden ganz in der Nähe einen Campingplatz und fühlen uns richtig wohl zwischen Orangenbäumchen und Palmen!
Nach einer entspannten, ziemlich ruhigen Nacht verlassen wir den Campingplatz Jardin in Taroudannt und fahren weiter Richtung Marrakech auf der Autobahn, denn wir wollen zügig nach Fes – und dann auch wieder zurück, so hatten wir geplant.

Wir kommen bis Settat, wo ich eine Farm (Écologique et Pédagogique) markiert hatte, die einige Stellplätze anbieten. Es ist inzwischen 19:00 Uhr, es regnet und es ist dunkel. Zunächst stehen wir vor verschlossenem Tor und überlegen schon ob wir die Telefonnummer anrufen müssen, die dort angeschlagen ist, als plötzlich ein Licht angeht und dann bewegt sich auch schon das Tor und wir werden hereingebeten. Der Boden ist ziemlich durchweicht und so bin ich froh, dass es zwei Stellplätze auf befestigtem Boden gibt. Einer davon ist besetzt und wir können auf dem Zweiten stehen. Wir werden noch befragt ob wir etwas brauchen; Tee, Brot irgend etwas? Vielen Dank, wir brauchen nur eine ruhige Nacht – und die bekommen wir! Da es schon dunkel ist, bin ich gespannt wie es hier im Hellen aussieht. Im Internet hatten andere berichtet, dass sie ein Frühstück bekommen hätten – ob wir das vielleicht auch bekommen? Von der Oliven-Plantage sehen wir nicht sehr viel aber am nächsten Morgen steht ein junger Mann vor unserem Auto mit einem Tablett – wow, wir sind überwältigt!

In Setatt möchte ich unbedingt meine Sim-Karte aufladen, denn es ist Samstag und ohne Internet ist alles doof. Das ‚kostet‘ uns wieder Zeit, denn der erste Maroc Telcom-Laden verkauft nur Glasfaser-Anschlüsse und ich benötige jemanden, der meine Karte auflädt oder für 50,- MAD ein ‚Rubbellos‘ – es gibt für unterschiedliche Beträge Guthabenkarten zu kaufen, die per sms, Nummer auf der ‚Rubbelkarte‘ und zusätzlicher Nummer für die Art des Guthabens freigeschaltet werden. Wir finden einen anderen Laden, dessen Inhaber das für mich am Computer erledigt. Puh….
Jetzt aber schnell weiter; Ich hatte Hafida geschrieben, dass wir um 15:00 Uhr bei ihr wären. Dann habe ich sie nochmal nach der Adresse gefragt und wir haben in Fes gesucht – aber die Adresse gibt es nicht. Nachdem ich dann um die Übermittlung ihres Standortes gefragt habe, finden wir endlich ihr Haus. Die Straße ist nur so eng, dass wir hier nicht parken wollen und in die Parallelstraße fahren. Endlich kommen wir bei Hafida an und werden so herzlich begrüßt! Es gibt sofort Tee und Gebäck und später ein köstliches Abendessen. Wie in Marokko üblich, essen alle von einem Teller; erst gibt es Salat und dann Huhn, zum Nachtisch gibt es immer Obst. Die 3 Schwestern von Hafida sind am Wochenende da und die Nichte hat gerade heute Geburtstag. Am Morgen gab es nur einen Teil der Geschenke, deswegen ist Fatima die ganze Zeit recht aufgeregt. Dann sitzen wir im kleinen Zimmer und endlich kommt neben salzigem Gebäck auch der Geburtstagskuchen auf den Tisch. Wir setzen uns noch lustige Hüte auf, dann kommen ein paar Geschenke und Fatima ist sehr glücklich. Leider geht es Hafida nicht so gut, wir sind vom Fahren aber auch ziemlich müde und so geht es schon bald ins Bett. 
Am nächsten Morgen frühstücken wir mit der ganzen Familie und wollen anschließend zusammen mit zwei Schwestern und Hafida in die Medina von Fés. Damit es nicht zu anstrengend wird, wollen wir mit dem Taxi zum oberen Ende der Medina fahren und dann bergab laufen. Am unteren Ende können wir dann den Bus zurück nehmen. Es ist ein wundervoller Ausflug mit vielen Eindrücken. Hier erstehe ich ein paar Geldbörsen, wir kaufen etwas Nougat, trinken einen Espresso und einen Mangosaft.

Nachdem wir einige Stunden durch die Medina geschlendert sind, machen wir uns auf den Rückweg. Also gehen wir zur Bushaltestelle und sehen gerade den richtigen Bus (die Linie 25) ankommen. Dann entsteht etwas, das es in England nie und nimmer geben wird: eine Menschenmenge drängelt sich um die Tür des Busses so sehr, dass ich befürchte,  Kinder und gebrechliche Menschen könnten in der Menge erdrückt werden. Um den Anschluß an Hafida und ihre Schwestern nicht zu verlieren müssen wir mit drängeln und gleichzeitig versuchen wir Platz zu schaffen, damit niemand erdrückt wird; das funktioniert, weil ich einen strategisch guten Ausgangspunkt am Bus habe und mich am Bus abstützen kann. Etwas befremdlich diese Eindrücke… 
Eine Schwester war zu Hause geblieben und so dauert es gar nicht lange und wir essen  eine wunderbare Tajine mit Couscous, Gemüse und etwas Fleisch. Am Abend steht das Endspiel des Africa-Cup auf dem Programm und so sitzen wir vor dem Fernseher, denn wir sind zu müde um ins Café zu gehen und dort zu schauen. Wir verfolgen ein ziemlich skurriles Spiel, bei dem die Senegalesen sich über einen Foul-Elfmeter beschweren und dann (fast) geschlossen in die Kabine gehen. Krass… Nachdem sie wieder aus der Kabine gekommen sind und der Elfmeter ‚verschossen‘ wurde, haben die Senegalesen in der Verlängerung ein Tor geschossen und gewonnen. 
Montagmorgen beschließen wir nach dem Frühstück wieder in den Süden zu fahren. Es ist wirklich ziemlich kühl hier und die Marokkaner heizen so gut wie gar nicht. 

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